Veröffentlichungsdatum: 21.03.2025 - PM 044/2025
Die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte treibt die kommunale Wärmeplanung (KWP) aktiv voran. In der jüngsten Ortsbürgermeister-Runde und im Bauausschuss wurden die ersten zentralen Ergebnisse vorgestellt und ein Ausblick auf die kommenden Schritte gegeben. Ziel ist eine klimafreundliche Wärmeversorgung bis 2045.
Dem vorausgegangen waren zwei Fachaustausche mit den Schlüsselakteuren aus der Region. Neben den Erzeugern von Biogas-, Solar- oder Windanlagen, waren Netzbetreibern von Gas, Strom und Fernwärme dabei. Auch die größten Verbraucher, wie die TechnoGuss GmbH oder die drei großen Vermieter der Tangerstadt waren mit Dabei. Unterstützt wurden diese Fachgespräche auch von der Landesenergieagentur (LENA) und Mitarbeitern aus dem zuständigen Ministerium des Landes, sowie die Vertreter der Nachbarkommunen.
„Das waren intensive, konstruktive Gespräche, so Andreas Brohm, der diese begleitet hatte und weiter, mich hat das ausdauernde Interesse aller Beteiligter beeindruckt und dass wir Impulse auch im Nachklang setzten konnten.“
Wie können und wollen wir morgen heizen? Das Ist Kern der Frage für die kommunale Wärmeplanung (KWP) und nun neue Aufgabe der Kommunen. Die kommunale Wärmeplanung (kWp) ist ein strategisches Planungsinstrument, mit dem Gemeinden und Städte ihre Wärmeversorgung nachhaltig gestalten können. Sie besteht aus mehreren Schritten:
Zunächst wird in einer Bestandsanalyse die aktuelle Wärmeversorgungsstruktur einer Kommune erfasst. Anschließend wird in der Potenzialanalyse untersucht, welche Potenziale für erneuerbare Energien und Abwärme vorhanden sind. Darauf aufbauend werden Zielszenarien entwickelt, mit denen die Kommune eine klimaneutrale Wärmeversorgung erreichen kann. Abschließend wird eine Umsetzungsstrategie erarbeitet, um die Maßnahmen konkret in die Praxis umzusetzen.
Keine unmittelbaren Änderungen für Bürgerinnen und Bürger
Wichtig: Die kommunale Wärmeplanung ist kein Maßnahmenpaket, sondern ein strategischer Orientierungsrahmen. Aktuell ergeben sich keine Verpflichtungen oder direkten Auswirkungen für die Bevölkerung. Die Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit Bürgern, politischen Gremien und relevanten Akteuren.
Wärmesektor im Fokus der Energiewende
Der Wärmesektor ist mit etwa 40 % ein zentraler Verursacher energiebedingter CO₂-Emissionen. In Tangerhütte basiert derzeit rund 63 % der Wärmeversorgung auf Erdgas – der Gesamtwärmebedarf der Kommune liegt bei rund 136 GWh jährlich, was etwa 33.800 Tonnen CO₂-Emissionen entspricht. Diese Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit der Energiewende im Wärmesektor.
Sanierungspotenziale und Gebäudestruktur
Von den rund 4.267 wärmeversorgten Gebäuden ist ein erheblicher Anteil unsaniert oder teilsaniert – hier liegen große Einsparpotenziale. Besonders Gebäude aus den Baujahren 1950–1989 sind stark vertreten und bieten Chancen für energetische Sanierungen.
Zielszenario 2035: Halbierung des Energiebedarfs möglich
Im Rahmen der Szenarienentwicklung zeigt sich: Der Wärmebedarf kann bis 2035 um rund 55 GWh reduziert werden – ein Rückgang von etwa 40 %. Die Gründe: energetische Sanierungen, ein demografischer Rückgang und der Ausbau erneuerbarer Energien.
Transformation der Wärmelandschaft
Die Nutzung von Wärmepumpen und Fernwärme könnte massiv ausgeweitet werden. Bis 2035 könnte jedes vierte Gebäude an ein Wärmenetz angeschlossen sein. Gleichzeitig wird der Einsatz fossiler Energieträger wie Öl und Gas stark zurückgehen, so einer der Erkenntnisse aus den aktuellen Daten.
Bürgerbeteiligung am 15.05.2025 im Kulturhaus
„Wir wollen mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen.“, so Andreas Brohm. Fragen, Wie wollen Sie heizen und welchen Möglichkeiten stehen zur Verfügung? oder Kann ich mich an das Wärmenetz im Dorf anschließen? oder Wollen wir im Dorf ein eigenes Wärmenetz errichten? Oder Kann eine Wärmepumpe meinen Wärmebedarf decken, Und was ist die günstigste Heizung der Zukunft? Diese und viele andere Fragen können am 15.05.2025 um 18:00 Uhr im Kulturhaus bei der Informationsveranstaltung geklärt werden.
Hintergrund
Die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte hat sich frühzeitig entschieden, mit der kommunalen Wärmeplanung zu beginnen - noch bevor das Landesgesetz in Sachsen-Anhalt in Kraft getreten ist.
In den zurückliegenden Wochen wurden die Daten für die Bestandsanalyse erhoben. Grundlage waren Daten jeglicher Art, bspw. zu Gebäudestrukturen oder Wärmeerzeugern. Je qualitativ und quantitativ besser die Daten, desto besser (genauer) wird die Planung anschließend. Mit wichtigen Akteuren, wie z.B. die Energieversorger, Schornsteinfeger oder Wohnungsunternehmen, wurde sich ausgetauscht.
Grundsätzlich ist die Wärmeplanung als eine neue kommunale Aufgabe zu sehen, die sich am besten im Kollektiv bewältigen lässt. Deshalb sind jegliche Anregungen und Vorschläge seitens der Bürgerinnen und Bürger sehr gerne gesehen, so das Projektteam der Wärmeplaner.
Die Einheitsgemeinde hat über die Kommunalrichtlinie eine 100 prozentige Förderung erhalten und ist damit eine der ersten Kommunen in der Altmark, die an der Wärmplanung arbeiten. Der Impuls dazu kam von der Initiative für das Energiedorf Schernebeck. Hier möchte man sich aus nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energien in Zukunft mit Strom und Wärme selbst versorgen. Ganz praktische Fragen wie, wie viele Abnehmer sich anschließen und wie weit sind diese voneinander entfernt? Und was wird eine Umstellung der Heizung für Kosten mit sich bringen?
Das Bundesgesetz zur kommunalen Wärmeplanung (WPG) sieht vor, dass kleinere Gemeinden bis 2028 einen Wärmeplan vorlegen müssen. Tangerhütte geht jedoch schon jetzt mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass eine zukunftsorientierte Energiepolitik keine Aufgabe von morgen, sondern bereits heute eine Notwendigkeit ist.
Die Wärmewende kommt bei der Transformation der Energieversorgung hin zur Treibhausgasneutralität 2045 eine zentrale Bedeutung zu. In Deutschland wird rund die Hälfte der Endenergie für die Bereitstellung von Wärme eingesetzt und dies überwiegend aus fossilen Energieträgern.
Für die Wärmewende sind Investitionen mit hohem Kapitaleinsatz und langer Kapitalbindung erforderlich. Das betrifft Anlagen zur klimaneutralen Wärmeerzeugung, Maßnahmen, die den Wärmebedarf reduzieren, und Infrastrukturen, die die effiziente und zuverlässige Verteilung von klimaneutraler Wärme ermöglichen.
Die Wärmewende wird auch Bedarfsstrukturen bei den Energieversorgungsnetzen, auch bei den Gas- und Stromnetzen, ändern. Ein koordiniertes, strategisches Vorgehen reduziert die Gefahr von Fehlinvestitionen. Die für die Wärmewende erforderlichen Investitionen betreffen ganz überwiegend Maßnahmen, die vor Ort, d.h. in den Städten und Gemeinden, unter Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten, realisiert werden müssen.
Aus diesem Grund muss vor Ort individuell geplant, entschieden und gesteuert werden, welches Zielbild und welche Transformationsstrategie angesichts lokaler Umstände und Potenziale verfolgt werden sollen. Eine solche gesamtheitliche Betrachtung des Wärmesektors der Kommune erfolgt in der kommunalen Wärmeplanung, welche aktuell in der Einheitsgemeinde als strategische Leitplanung erstellt wird. Dazu steht der Austausch mit den Akteuren in den kommenden Wochen im Focus.